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Der Deutsche Werberat musste im vergangenen Jahr 264 Protesten aus der Bevölkerung nachgehen. Davon wurden 176 (2007: 187) Beanstandungen von Werbekampagnen als unbegründet zurückgewiesen. Das teilte Dr. Hans-Henning Wiegmann (Foto), Vorsitzender des Deutschen Werberats, am Dienstag anlässlich der Vorlage der Jahresbilanz 2008 in Berlin mit. Die Motive der Proteste seien zwar durchweg respektabel gewesen, erklärte Wiegmann, häufig aber übersensibel bis verzerrt. So wäre beispielsweise eine Beschwerde gegen die Werbung eines Fotomaterial-Herstellers eingegangen, dessen TV-Spot zeigte, wie die Golden Gate Bridge auf Fotografie-Format gefaltet wurde. Diese Darstellung, so der Protest, verharmlose Terroranschläge auf Brücken und Naturkatastrophen.
Bei 88 Kampagnen (2007: 81) dagegen teilte der Werberat die Kritik. Auf die Beanstandung hin wurden 82 Kampagnen von den werbenden Unternehmen zurückgezogen oder abgeändert. Öffentliche Rügen musste der Werberat nur in 6 Fällen (2007: 3) aussprechen, weil die Firmen sich weigerten, die Werbung zu korrigieren. So warb ein Fuhrunternehmen auf seinen Lieferwagen mit einem nackten Frauenkörper neben dem Firmennamen „G&M Fleischwaren Frischdienst“. Das Bild wurde inzwischen von den Lieferwagen entfernt. Die Firma EFAG Trade Mark Company wollte ihre Werbung für den Likör „Ficken“, die gegen die Grundsätze des Werberats verstößt, nicht einstellen und die Ahnenforschung Ltd. Griesheim warb auf ihrer Internet-Seite mit einem Bild von Adolf Hitler. Deutlich angestiegen seien, so Wiegmann, Proteste mit der Unterstellung, die Werbung sei frauenfeindlich. 110 Kampagnen waren von diesem Vorwurf betroffen. Mit einem Anteil von 42% aller Fälle vor dem Gremium, ergab sich daraus eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr (33% frauenfeindliche Werbung).
Um Beanstandungen vorzubeugen, bietet der Werberat ab Mai 2009 eine Vorkontrolle an. Produzierende Unternehmen, der Handel und andere Branchen des Dienstleistungssektors können künftig ihre Werbung vor der Veröffentlichung in den Medien auf ihre Vereinbarkeit mit den selbstdisziplinären Regeln und Rechtsvorschriften prüfen lassen. „Dieses Angebot an die Wirtschaft soll dazu beitragen, Bürger vor Entgleisungen der Wirtschaftswerbung und Firmen vor teuren Imageschäden zu bewahren“, erklärte Wiegmann. Das neue Beratungssystem stünde allen Firmen offen, die in Deutschland für ihre Angebote werben wollen.
Der 1972 gegründete Deutsche Werberat wird vom Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) getragen, dem 43 Verbände der werbenden Unternehmen, Agenturen, Medien, Forschung und Berufsgruppen angehören. Grundlagen für die Entscheidungen des Werberats sind die allgemeinen Gesetze, werberechtliche Vorschriften, spezielle Verhaltensregeln der Werbebranchen in Bezug auf Werbung mit und vor Kindern im Fernsehen, Werbung für alkoholische Getränke sowie die aktuelle herrschende Auffassung über Sitte, Anstand und Moral in der Gesellschaft.
(al) 25.03.2009
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